Jetlag-Photography

Eine meiner ganz speziellen Arten zu fotografieren: Abends gar nicht erst ins Bett gehen, sondern nachts einen besonderen Sonnenaufgangspunkt zu erwandern.

November in den Bergen

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Canon EOS 50D mit Canon EF 400 f/5.6 L USM, 1/50s bei f/8, ISO 100, Spiegelvorauslösung, RAW, Kabelfernauslöser, Stativ

Der November in den Bergen ist für mich eine ganz besondere Zeit. Eine friedliche Stille liegt über der Landschaft. Auf den Wiesen liegt Reif, die Farben des Sommers sind längst vergangen. Blüten, Blätter und Gräser sind vom Frost braun geworden und der Kargheit des Winters gewichen. Die Brunftzeit der Gämsen beginnt. Für die Gamsböcke ist das die anstrengendste Zeit im Jahr, die ihnen kurz vor dem Winter oft die letzten Kraftreserven raubt.

Gämsen im November

Canon EOS 50D mit Canon EF 400 f/5.6 L USM, 1/400s bei f/5.6, ISO 100, RAW, Stativ, Vergrößerung durch Bildausschnitt

Durch die Leoganger Steinberge zum Melkerloch

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Panorama, zusammengesetzt aus 11 Hochformatbildern, getrennte Belichtungskorrektur für Himmel und Vordergrund (Komposit). Canon 50D mit Canon EF 17-40 L USM @ 17mm, 1/6s bei f/9, ISO 100, Spiegelvorauslösung, Selbstauslöser, RAW, manueller Weissabgleich, Stativ, Wasserwaage. Größere Vorschau: siehe Text unten.

Nach langem Warten auf stabiles Sommerwetter konnte ich eine meiner fotografischen Visionen in die Tat umsetzen: Den Sonnenaufgang im Melkerloch, einer Naturhöhle in den Leoganger Steinbergen auf 2.200 Metern Höhe. Die Eintrittskarte zu dieser Location inmitten einer fantastischen Karstlandschaft ist ein 1.300 Höhenmeter langer Aufstieg über einen windgeschützten Südhang. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so geschwitzt habe! Und doch hat sich jeder Meter gelohnt und ich war froh, auch das Stativ mitgenommen zu haben.

Der Sonnenaufgang im Melkerloch war ein traumhafter, fast unwirklicher Moment. Das Panoramabild, das dabei entstanden ist (hier klicken für eine größere Version), erinnert mich an die zauberhafte Wolkenstimmung, das rötlich-blaue Farbspiel auf den Felsen und das tickende Geräusch der Wassertropfen, die überall von der Höhlendecke fielen.

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Canon EOS 50D mit Canon EF 17-40 L USM @ 17mm, 1/60s bei f/9, ISO 100, RAW.

Dank der Begleitung meines Vaters (hier steht er im Morgenlicht auf dem Übergang zwischen Melkerloch und Hochzint) habe ich nach der Melkerloch-Fotosession den nicht ganz trivialen Klettersteig auf’s Birnhorn gemeistert (weitere 500 Höhenmeter). Außerdem verdanke ich ich ihm einige Making-of-Bilder (für große Ansicht bitte anklicken):

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Sonnenaufgang in den Farben des Feuers

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Canon EOS 50D mit EF 400 f/5.6, 1/640s bei f/10, Belichtungskorrektur -2, ISO 100, Selbstauslöser, Spiegelvorauslösung, Stativ


Wenig Schlaf, ein erhöhter Standort (1530 m) und eine Brennweite von 400 mm waren die Grundzutaten für diese Großaufnahme der aufgehenden Sonne. Ihr Licht lässt die Wolken in den Farben des Feuers leuchten – man ahnt die ungeheure Kraft und Energie, die von der Sonne ausgeht.
 
Direkt in die Sonne hineinzufotografieren, kann gefährlich sein – die Kamera kann beschädigt werden und – was noch schlimmer ist – der Fotograf kann erblinden. Vor einer solchen Aufnahme sollte man sich unbedingt vorher kundig machen, welche Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind.
In diesem Fall wurde die Sonne durch die Wolken noch ausreichend gefiltert. Ich habe nie direkt durch den Sucher geschaut, sondern die Kamera mit Hilfe des LiveViews ausgerichtet.

Lichtdurchflutete Berge

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Canon EOS 50D mit Canon EF 70-300mm f/4-5,6 IS USM @ 110 mm, f/14 bei 1/80 s, ISO 100, RAW.


Dieses Bild stammt aus meinem Archiv. Es ist im Juni 2010 im Mangfallgebirge nach einer durchwanderten Nacht entstanden. Sobald das wärmende Licht der Sonne über den Horizont kletterte, stieg der Dunst aus den Tälern auf und begann im Morgenlicht golden zu leuchten.

Traumlandschaft mit Alpenrosen

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Canon EOS 50D mit EF 17-40 L USM @ 17mm, f/8 bei 1/15s, ISO 100, RAW, Stativ, Selbstauslöser, Grauverlaufsfilter.


Während der nächtlichen Anreise regnete es im Inntal noch in Strömen. Ich dachte schon, dass diese Tour buchstäblich ins Wasser fällt. Erst kurz vor dem Ziel in den Tuxer Alpen lichteten sich die Wolken und ließen das Mondlicht durch. Zwei Stunden später ließ die aufgehende Sonne Berge und Wolken in magischem Licht leuchten. Im Hochmoor duftete die klare Bergluft würzig nach Blüten, um mich herum war ein Meer aus Alpenrosen, Wollgras und Farnen – eine paradiesische Morgenstimmung, wie ich sie noch nie erlebt habe.

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Canon EOS 50D mit EF 70-200 L IS USM @ 200, f/8 bei 1/160s, ISO 100, RAW.

Spaciges bei Nacht: Liftanlage und Milchstraße

Spacelift

Canon EOS 50D mit EF 17-40 L USM @ 17mm, 30s bei f/4, ISO 2500, RAW, Stativ, Dunkelbildabzug via EBV.

In einer klaren Nacht war ich mit meinem Fotokollegen Tom mal wieder auf Sternenjagd. Tom hatte dafür einen guten Platz auf 1.700 Metern Höhe im Sudelfeld-Gebiet ausgekundschaftet. Immerhin 600 Höhenmeter mussten wir zu Fuß erwandern.
Als wir an der Location ankamen, war es längst dunkel. Über uns war die Milchstraße deutlich sichtbar und es ist lange her, dass ich so viele Sterne gesehen habe. Nachdem wir uns orientiert hatten, suchte sich jeder ein schönes Plätzchen zum Fotografieren. Ich experimentierte gerade mit verschiedenen Belichtungseinstellungen, da hörte ich aus Toms Richtung plötzlich ein Stolpern. Dann trappelte ein unsichtbares “Etwas” mit hoher Geschwindigkeit durch die Dunkelheit auf mich zu. Gleichzeitig rief Tom warnend einen Satz zu mir herüber, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde: “Stefan, da kommt a Gams!”
Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte. Während das Tier auf mich zurannte, dachte ich alle möglichen Sachen. Schnell die Gams fotografieren – geht nicht, viel zu dunkel, kein Tele an der Kamera. Weglaufen und mich in Sicherheit bringen – geht auch nicht, weil meine Stirnlampe aus war und ich weder die Gams sehen konnte noch den Boden vor meinen Füßen. Die Gams durch Lärm verjagen – irgendwie albern, und was hätte ich rufen sollen …
Als meine ratlose Schockstarre sich löste, hatte die Gams längst das Weite gesucht. Sie stieß noch den typischen schrillen Warnruf aus und ward dann nicht mehr gesehen. Sternennächte bergen offenbar ihre ganz eigenen Überraschungen – war ja nicht das erste Mal

Milchstraße über dem Sudelfeld

Canon EOS 50D mit EF 17-40 L USM @ 17mm, 30s bei f/4, ISO 1600, kamerainterne Rauschunterdrückung aktiv, RAW, Stativ, Dunkelbildabzug via EBV.

Fotografisch war die Nacht für mich völliges Neuland: Ich versuchte, scharfe Fotos von Sternen und der Milchstraße zu machen. Da sich die Erde unter dem Sternenhimmel dreht, müssen die Belichtungszeiten entsprechend kurz sein, damit die Lichtpunkte am Himmel nicht zu Eiern oder Strichen verwischen. Leider hat mein Weitwinkelobjektiv nur eine Anfangsblende von f/4 – dadurch war ich zu extrem hohen ISO-Werten gezwungen, bei denen der Sensor der 50D starkes Bildrauschen produziert.
Ich bin noch am Experimentieren, wie ich dieses Bildrauschen in der Nachbearbeitung am besten in den Griff bekomme. Erste Ansätze mit einem manuellen Dunkelbildabzug habe ich gefunden – mehr dazu später, wenn ich meine Technik hoffentlich noch verfeinert habe.
Das organgefarbene Leuchten am unteren Rand der Bilder stammt vom Streulicht aus dem Tal. Beim nächsten Mal werden uns einen Platz suchen, der besser abgeschirmt ist.

 

Frühlingsmorgen auf der Alm

Canon EOS 50D mit EF 70-200 L IS USM @ 70mm, 1/3s bei f/8, ISO 100, RAW, Polfilter, Stativ, Spiegelvorauslösung, Kabelauslöser.

An einem milden Frühlingsmorgen streift das erste Sonnenlicht die nördlichen Ausläufer der Chiemgauer Berge. Ende Mai sind die Kühe wieder auf der Sommerweide. Im Hintergrund sieht man im Dunst das Ufer des Chiemsees. So früh am Morgen ist alles noch still. Außer dem Zwitschern der Vögel hört man nur ab und zu das Bimmeln der Kuhglocken.

Ohne Weidewirtschaft können die typischen Bergwiesen der Alpen nicht erhalten werden. Sie würden im Laufe der Zeit verbuschen und schließlich vom Bergwald überwuchert werden. Viele Pflanzenarten würden dann verschwinden, weil sie im Dunkel des Waldes nicht wachsen können.

Früh morgens am Chiemsee

Canon EOS 50D mit EF 17-40 L f/4 USM @ 17mm, 1/13s bei f/8, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung, Kabelfernauslöser, RAW.

An einem klaren, kalten Frühlingsmorgen entstand diese Aufnahme am Ostufer des Chiemsees. Der Weg zur Location war kurz aber spannend – plötzlich stand ich mit dem Auto mitten auf einem Campingplatz! Dann habe ich doch noch einen Parkplatz am Waldrand gefunden. Von dort aus habe ich mit viel Glück über zwei unverhofft auftauchende Trampelpfade das Seeufer erreicht. Im Dunkeln ist eben alles etwas schwieriger als bei Tageslicht. Am Ufer angekommen sah es dann ganz anders aus als vermutet – aber zum Glück war da der Baumstamm und diese kleine Insel …
Trotz Frühling hatte es nur -1 Grad. Nebst Gummistiefeln und dicken Socken haben sich mal wieder die Fotohandschuhe mit den aufklappbaren Fingerkuppen und die wärmenden Gelpads bewährt.

 

Mondspaziergang

Monduntergang über dem Zinnenberg

Canon EOS 50D mit EF 70-200 L IS USM @ 200mm, 1/30 s bei f/4, ISO 500, RAW, Stativ, Spiegelvorauslösung, Selbstauslöser. Bei der Entwicklung der RAW-Datei wurden Mond und Landschaft getrennt nachbelichtet - die Zeichnung des Mondes wäre sonst wegen Überbelichtung verloren gegangen. Leichte Vergrößerung durch Ausschnitt.

Nach einer einsamen und wunderschönen Nachtwanderung zwischen Kampenwand und Geigelstein wurde ich gegen 5.45 Uhr mit diesem Blick auf den untergehenden Mond belohnt. Wegen des langen Weges, den ich in dieser Nacht vor mir hatte, hätte ich mir den Wecker auf 1 Uhr stellen müssen. Deshalb habe ich mich entschieden, mir den Umweg über’s Bett zu sparen – vermutlich hätte ich vor Aufregung sowieso nicht schlafen können.

Mondkapelle

EOS 50D mit EF 17-40 L USM @ 21mm, 10s bei f/4, ISO 100, RAW, Stativ, Spiegelvorauslösung, Selbstauslöser.

Beim nächtlichen Aufstieg auf verschneiten Wegen begleitete mich der helle Vollmond. Im Wald leuchtete das Mondlicht wie Silberstreifen zwischen den Bäumen hindurch. Die schneebedeckten Almwiesen leuchteten bläulich. Es war eine perfekte Nacht für eine Tour aus meiner Reihe “Jetlag-Photography”. Ich habe mich auch nur ein einziges Mal verlaufen …

Blick zurück ins Morgenrot

Canon EOS 50D mit EF 17-40 L USM @ 17mm, 1/20s bei f/7.1, ISO 100, RAW, Stativ, Spiegelvorauslösung, Selbstauslöser, Grauverlaufsfilter.

Kurz vor Sonnenaufgang bei -8 Grad ein Blick zurück über die Aufstiegsspur. Auf 1370 Metern Höhe sind selbst die Südhänge der Chiemgauer Alpen noch dick mit Schnee bedeckt. Ich war froh, dass ich ausreichend warme Kleidung, heißen Kaffee und meine Gamaschen dabei hatte. Wie durch ein Wunder ist das Wasser in der unisolierten Trinkflasche diesmal nicht gefroren. Durch Wärme-Gelpads in den Fotohandschuhen konnte ich meine Finger in der eisigen Kälte warm halten. Trotzdem ist das Fotografieren unter diesen Bedingungen deutlich erschwert – man überlegt sich dreimal, ob man wirklich die Finger aus den Handschuhen nimmt, um Objektive wechseln zu können.
 
Nachtrag: Gerade sehe ich, dass ich auch ein wenig Glück hatte bei meinem ausgedehnten Mondspaziergang. Ich wusste zwar, dass in dieser Nacht Vollmond sein würde – was ich aber bis jetzt nicht wusste ist, dass über mir der elftgrößte Vollmond innerhalb von 2000 Jahren am Himmel stand. Cooool …

Unterwegs am Brünnstein

Leuchtende Föhnwolken über dem Kaisergebirge
Die Geschichte dieses Bildes begann um drei Uhr morgens, als mein Wecker läutete und ich mich zwischen einer warmen Decke oder einem einsamen Aufstieg in Kälte und Dunkelheit entscheiden musste. Zum Glück habe ich mich aufgerafft – so war ich rechtzeitig vor Sonnenaufgang am Brünnsteinhaus im Mangfallgebirge.
Hoch stehende Föhnwolken und das rötliche Licht der aufgehenden Sonne sorgten für ein intensives Farbspiel über dem Kaisergebirge. Die Aufnahme entstand mit Stativ, Grauverlaufsfilter, Spiegelvorauslösung und Fernauslösung.
Die Temeraturen war trotz Jahreszeit und einer Höhe von 1360 Metern mild – es hatte nur knapp unter null Grad und die angekündigten Sturmböen des heranziehenden Tiefs hielten sich noch in Grenzen.
Zurück ging’s auf steiler, eisiger Bahn mit dem Schlitten – ein Vorteil, wenn man im Winter unterwegs ist.